Kurz gesagt: Schlapp- oder Hängeohren können mit einem höheren Risiko für Otitis externa verbunden sein – eine Entzündung des äußeren Gehörgangs. Eine britische Studie fand bei Rassen mit hängender Ohrform höhere Chancen als bei Rassen mit Stehohren. Ohrform allein verursacht aber keine Ohrenentzündung, sagt das individuelle Risiko nicht sicher voraus und begründet keinen festen wöchentlichen oder monatlichen Reinigungsplan.
Was zeigte die Studie zur Ohrform?
Eine VetCompass-Kohortenstudie untersuchte Daten aus britischen Tierarztpraxen für das Jahr 2016. In einer zufällig ausgewählten Stichprobe von 22.333 Hunden betrug die Ein-Jahres-Häufigkeit einer diagnostizierten Otitis externa 7,3 Prozent. Rassen, die als Hängeohren eingestuft wurden, hatten gegenüber Rassen mit Stehohren 1,76-mal so hohe Chancen auf eine Diagnose (Odds Ratio 1,76; 95-%-Konfidenzintervall 1,48–2,10). Bei Rassen mit V-förmigen Hängeohren lag die Odds Ratio bei 1,84 (95-%-Konfidenzintervall 1,53–2,21).
Die Zahlen beschreiben einen Zusammenhang in britischen Praxisdaten, keinen Beweis, dass Ohrform die Entzündung verursacht. Eine Odds Ratio ist auch nicht gleichbedeutend mit einem um denselben Faktor erhöhten individuellen Erkrankungsrisiko. Die Ergebnisse beziehen sich auf Rassen-Gruppen und lassen sich nicht direkt auf jeden einzelnen Hund oder auf die Häufigkeit in Deutschland übertragen.
Ohrform ist nur einer von mehreren Faktoren
Otitis externa bedeutet eine Entzündung des äußeren Gehörgangs; sie kann infektiöse und nichtinfektiöse Ursachen haben. Zu möglichen primären Auslösern zählen Allergien, Parasiten wie Ohrmilben und Fremdkörper. Hängende Ohrmuscheln, enge oder behaarte Gehörgänge sowie Feuchtigkeit können zusätzlich begünstigen, dass sich das Ohrmilieu verändert. Keiner dieser Faktoren allein bestimmt sicher, ob ein Hund erkrankt.
Hefen wie Malassezia und verschiedene Bakterien können in kleiner Zahl auch in gesunden Ohren vorkommen. Bei einer Entzündung können sie sich vermehren und als sekundäre Faktoren beteiligt sein. Eine Fallserie von 100 Hunden, die bereits wegen Otitis externa untersucht wurden, fand unter anderem allergische Dermatitis als häufige primäre Ursache. Diese klinische Fallserie beschreibt betroffene Hunde und nicht die Häufigkeit von Allergien oder Ohrentzündungen in der Allgemeinpopulation.
Wie oft sollten Hundeohren gereinigt werden?
Aus der Ohrform allein lässt sich kein sinnvoller Wochen- oder Monatsplan ableiten. Bei gesunden Ohren ist routinemäßiges Reinigen oft nur nötig, wenn Schmutz oder Ablagerungen sichtbar sind. Hunde mit wiederkehrender Otitis, Allergien oder einer individuellen Neigung zu Ohrproblemen können einen regelmäßigen Pflegeplan benötigen; Häufigkeit und Mittel sollten mit der Tierarztpraxis abgestimmt werden. Übermäßiges Reinigen kann reizen.
Nach dem Baden oder Schwimmen sollte die Ohrpflege mit der Tierarztpraxis besprochen werden, besonders wenn Ihr Hund wiederholt Entzündungen hatte. Verwenden Sie nur ein für Hunde geeignetes Mittel nach Anleitung. Führen Sie keine Wattestäbchen tief in den Gehörgang ein und geben Sie bei Schmerzen oder deutlicher Entzündung nicht eigenständig Reiniger ins Ohr. Wasserstoffperoxid, Essig und andere Hausmittel können gereiztes Gewebe zusätzlich belasten.
Wann ist eine tierärztliche Untersuchung wichtig?
Kopfschütteln, häufiges Kratzen, Geruch, Ausfluss, Rötung oder Schmerz können auf ein Ohrproblem hinweisen. Diese Anzeichen verraten die Ursache nicht zuverlässig. Eine Otoskopie und die zytologische Untersuchung einer Probe aus dem Gehörgang helfen, Entzündung, Hefen, Bakterien oder andere Ursachen einzuordnen. Bei wiederkehrenden Beschwerden muss gegebenenfalls auch der zugrunde liegende Auslöser behandelt werden.
Beenden Sie die Reinigung, wenn sie schmerzhaft ist, und lassen Sie das Ohr untersuchen. Bei starken Schmerzen, deutlicher Schwellung, Blut, schief gehaltenem Kopf oder Gleichgewichtsstörungen ist zeitnahe tierärztliche Hilfe wichtig. Die passenden nächsten Schritte unterscheiden sich je nach Befund; ein Ohrenreiniger ersetzt weder Diagnose noch Behandlung.
Mehr dazu finden Sie in unseren deutschen Ratgebern zu Kratzen am Ohr und möglichen Ursachen sowie zu Anzeichen einer Ohrenentzündung beim Hund.
Häufige Fragen
Bekommen Hunde mit Schlappohren immer eine Ohrenentzündung?
Nein. Hängende Ohrmuscheln sind ein möglicher Risikofaktor, keine Diagnose und keine Garantie für eine Entzündung. Auch Hunde mit Stehohren können eine Otitis externa bekommen.
Müssen Schlappohren jede Woche gereinigt werden?
Eine feste wöchentliche Regel lässt sich nicht allein aus der Ohrform ableiten. Sichtbarer Schmutz, Schwimmen, Allergien und frühere Entzündungen können eine Rolle spielen. Stimmen Sie einen regelmäßigen Plan mit der Tierarztpraxis ab und vermeiden Sie unnötig häufiges Reinigen.
Kann ich Essig oder Wasserstoffperoxid verwenden?
Nein. Hausmittel können den Gehörgang reizen, besonders wenn er bereits entzündet ist. Fragen Sie die Tierarztpraxis nach einem geeigneten Mittel, wenn eine Reinigung erforderlich ist.
Quellen: O’Neill et al. (2021), VetCompass-Studie zu Häufigkeit und Risikofaktoren der Otitis externa in Großbritannien; Saridomichelakis et al. (2007), retrospektive Fallserie zu Ursachen der Otitis externa; Merck Veterinary Manual: Otitis externa bei Tieren; Cornell University College of Veterinary Medicine: Reinigung der Hundeohren.
Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und ersetzt keine tierärztliche Untersuchung, Diagnose oder Behandlung.