Kurz gesagt: Ein gerötetes, tränendes oder verklebtes Auge ist nicht automatisch infiziert. Eine Bindehautentzündung beschreibt eine Entzündung, nicht deren Ursache. Neben Viren oder Bakterien kommen zum Beispiel Allergien, Reizstoffe, ein Fremdkörper, ein gestörter Tränenfilm, Veränderungen an Lidern oder Wimpern und eine Verletzung der Hornhaut infrage. Ausflussfarbe und Aussehen allein reichen nicht für eine Diagnose. Bei Schmerzen, Zukneifen oder einer trüben Hornhaut sollte Ihr Hund umgehend tierärztlich untersucht werden.
Welche Anzeichen können bei einer Augenentzündung auftreten?
Mögliche Anzeichen sind eine gerötete oder geschwollene Bindehaut, Ausfluss, häufiges Blinzeln, Zukneifen und Reiben am Auge. Ein Auge oder beide Augen können betroffen sein. Solche Beobachtungen zeigen, dass etwas das Auge reizt oder schmerzt; sie sagen für sich genommen nicht, ob eine Infektion vorliegt oder welche Behandlung nötig ist.
Tränenfluss und feuchte oder verfärbte Haare unter dem Auge können auch mit Reizungen, einer Veränderung des Tränenabflusses oder anderen Augenproblemen zusammenhängen. Wässriger Ausfluss beweist keine Allergie. Zäher oder gelblicher Ausfluss beweist umgekehrt keine bakterielle Infektion: Auch Erkrankungen wie das trockene Auge können mit dickem gelblich-grünem Sekret einhergehen.

Was Ausfluss und Rötung bedeuten können
| Beobachtung | Mögliche Einordnung | Was jetzt wichtig ist |
|---|---|---|
| Tränenfluss oder feuchte Haare unter dem Auge | Kann unter anderem mit Reizung, Allergien, der Gesichtsform oder dem Tränenabfluss zusammenhängen. | Bei neuen, anhaltenden oder wiederkehrenden Beschwerden die Ursache tierärztlich abklären lassen. |
| Rötung, Schwellung oder Ausfluss | Passt zu einer Bindehautentzündung, kann aber auch durch andere Erkrankungen, Reizstoffe oder Verletzungen entstehen. | Farbe und Aussehen reichen nicht, um Infektion, Allergie oder trockenes Auge sicher zu unterscheiden. |
| Zukneifen, häufiges Blinzeln oder Reiben | Kann auf Schmerzen hindeuten, zum Beispiel bei einem Fremdkörper oder einer Hornhautverletzung. | Noch am selben Tag tierärztlich abklären lassen, besonders wenn das Auge geschlossen bleibt oder Ihr Hund deutlich schmerzempfindlich ist. |
| Trübe Hornhaut, sichtbare Verletzung oder plötzlich verändertes Sehvermögen | Kann auf eine ernsthafte Schädigung des Auges hindeuten. | Sofort eine Tierarztpraxis oder den tierärztlichen Notdienst kontaktieren. |
| Der Augapfel steht sichtbar vor oder ist aus der Lidöffnung verlagert | Ein akuter Notfall, unter anderem bei bestimmten Verletzungen. | Unverzüglich den tierärztlichen Notdienst aufsuchen; nicht auf eine Besserung warten. |
Bei brachyzephalen, also kurzköpfigen Hunderassen können flachere Augenhöhlen und stärker exponierte Augen das Verletzungsrisiko erhöhen. Bei solchen Hunden sollten neue Rötung, vermehrtes Tränen, Zukneifen oder Reiben besonders ernst genommen und zeitnah tierärztlich beurteilt werden.

Warum eine Untersuchung wichtig ist
Die Bindehaut kann aus unterschiedlichen Gründen entzündet sein. Auch ein Fremdkörper, ein Hornhautgeschwür, trockenes Auge, Lid- oder Wimpernveränderungen und ein erhöhter Augeninnendruck können mit Rötung, Ausfluss oder Unbehagen einhergehen. Das Erscheinungsbild allein reicht oft nicht aus, um die Ursache zu bestimmen.
Die Tierärztin oder der Tierarzt fragt nach Beginn und Verlauf der Beschwerden und untersucht Auge, Lider und umliegende Strukturen. Abhängig vom Befund können Tests der Tränenproduktion, eine Fluoreszeinfärbung der Hornhaut, eine Untersuchung des Augeninnendrucks oder weitere Proben sinnvoll sein. So lässt sich beispielsweise prüfen, ob die Hornhaut verletzt ist oder ob ein Problem des Tränenfilms vorliegt.
Die Behandlung richtet sich nach der Ursache. Antibiotische oder entzündungshemmende Augentropfen sind nicht für jedes rote oder tränende Auge geeignet. Verwenden Sie keine übrig gebliebenen Augenmedikamente und keine menschlichen Augentropfen ohne tierärztliche Anweisung. Insbesondere kortisonhaltige Tropfen können bei einem nicht erkannten Hornhautgeschwür schaden. Ein Medikament, das bei einem früheren Augenproblem geholfen hat, kann bei einer anderen Ursache ungeeignet oder schädlich sein.
Was Sie bis zur tierärztlichen Rücksprache tun können
- Beobachten Sie, wann die Beschwerden begonnen haben und ob ein oder beide Augen betroffen sind. Ein Foto bei gutem Licht kann Veränderungen dokumentieren, sollte eine notwendige Untersuchung aber nicht verzögern.
- Verhindern Sie nach Möglichkeit, dass Ihr Hund am Auge reibt. Drücken Sie nicht auf den Augapfel und versuchen Sie nicht, einen festsitzenden Fremdkörper selbst zu entfernen.
- Reinigen Sie nicht die Augenoberfläche mit Hausmitteln. Tees, Desinfektionsmittel und nicht verordnete Tropfen können reizen oder die Behandlung verzögern. Wenn Sie Sekret aus dem Fell entfernen, berühren oder reiben Sie dabei nicht die Hornhaut; bei schmerzhaftem oder geschlossenem Auge holen Sie zuerst tierärztlichen Rat ein.
- Geben Sie keine alten Antibiotika- oder Kortisontropfen und setzen Sie ein verordnetes Medikament nicht eigenständig ab oder neu an.
Häufige Fragen
Zeigt gelber oder grüner Ausfluss sicher eine bakterielle Infektion?
Nein. Die Farbe allein stellt keine Diagnose. Gelblich-grünes Sekret kann zum Beispiel auch bei trockenem Auge auftreten. Die Ursache muss anhand der Untersuchung und gegebenenfalls weiterer Tests beurteilt werden.
Ist klarer Tränenfluss immer eine Allergie?
Nein. Auch Reizstoffe, Veränderungen des Tränenabflusses, Fremdkörper oder andere Augenprobleme können Tränenfluss auslösen. Einseitige oder anhaltende Beschwerden sollten abgeklärt werden.
Kann ich Augentropfen von einem früheren Besuch weiterverwenden?
Nur nach Rücksprache mit der Tierarztpraxis. Verschiedene Ursachen benötigen unterschiedliche Maßnahmen; manche Tropfen sind bei einer Hornhautverletzung ungeeignet.
Wann ist es dringend?
Bei deutlichen Schmerzen, einem dauerhaft geschlossenen Auge, trüber Hornhaut, sichtbarer Verletzung oder plötzlicher Sehverschlechterung sollte Ihr Hund unverzüglich tierärztlich untersucht werden. Ein vorgetretener oder aus der Lidöffnung verlagerter Augapfel ist ein Notfall.
Weiterlesen
- Augenpartie beim Hund sicher pflegen: Wann tierärztlicher Rat nötig ist
- Augengesundheit beim Hund: Warnzeichen und tägliche Pflege
Quellen
- Merck Veterinary Manual: Erkrankungen der Bindehaut beim Hund.
- VCA Animal Hospitals: Bindehautentzündung beim Hund und Hornhautgeschwüre beim Hund.
- Cornell University College of Veterinary Medicine: Keratoconjunctivitis sicca (trockenes Auge) beim Hund.
- American College of Veterinary Ophthalmologists: Brachycephalic Ocular Syndrome.
Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und ersetzt keine tierärztliche Untersuchung, Diagnose oder Behandlung.