Räude beim Hund: Was ist das? Symptome, Ursachen und Behandlung

Gesunder Mischlingshund mit dichtem, glänzendem Fell steht auf einer sonnigen Wiese, zur Illustration von Räude beim Hund

Die Räude beim Hund ist eine Hauterkrankung, die durch Milben ausgelöst wird. Die beiden wichtigsten Formen sind die Sarcoptes-Räude (Grabmilbenräude), die hoch ansteckend ist und starken Juckreiz verursacht, und die Demodikose (Demodex-Räude), die von Milben verursacht wird, die jeder Hund auf der Haut trägt, und die nicht als ansteckend gilt. In beiden Fällen kann nur eine Tierärztin oder ein Tierarzt die Diagnose sichern; wenn eine Behandlung nötig ist, wird sie tierärztlich verordnet, und weder ein Foto noch ein Hausmittel ersetzt das.

Dieser Artikel stellt beide Formen in einer Tabelle gegenüber, erklärt, wie sich Hunde anstecken, und nennt die Warnzeichen. Dazu gibt es eine Orientierungshilfe, um Räude von Allergie, Flöhen und Hautpilz zu unterscheiden, und eine ehrliche Übersicht darüber, was die Forschung weiß und was nicht.

Sarcoptes-Räude und Demodikose im Vergleich

Der Begriff »Räude« umfasst mehrere Erkrankungen, deshalb widersprechen sich viele Ratgeber scheinbar. Das Merck Veterinary Manual (englisch), die ESCCAP-Empfehlung zu Milben bei Hunden und Katzen und der Companion Animal Parasite Council (CAPC) beschreiben zwei sehr verschiedene Erkrankungen.

Sarcoptes-Räude und Demodikose beim Hund im Vergleich.
Merkmal Sarcoptes-Räude Demodikose (Demodex-Räude)
Milbe Sarcoptes scabiei var. canis, eine grabende Milbe von 0,2 bis 0,6 mm Länge Demodex canis (andere Demodex-Arten sind seltener), lebt in den Haarfollikeln
Herkunft Kontakt mit einem befallenen Hund oder Fuchs Die Mutter überträgt die Milben in den ersten 72 Lebensstunden auf die Welpen; bei gesunden Hunden sind sie in geringer Zahl vorhanden
Für andere Hunde ansteckend? Ja, hoch ansteckend Gilt nicht als ansteckend
Für Menschen ansteckend? Kann beim Menschen einen vorübergehenden juckenden Ausschlag auslösen (Pseudokrätze); die Hundemilbe vermehrt sich nicht auf dem Menschen Nein
Juckreiz Stark, oft plötzlich einsetzend Gering oder fehlend bei der lokalisierten Form; generalisierte Formen sind schwerer und infizieren sich oft
Wo es beginnt Ohrränder, Ellbogen, Sprunggelenke, Brust und Bauch Kleine kahle Stellen beim jungen Hund; der ganze Körper bei generalisierten Formen
Wen es trifft Hunde jeden Alters, besonders nach Kontakt mit anderen Hunden oder Füchsen Vor allem Welpen und junge Hunde (erbliche Immunschwäche) oder erwachsene Hunde mit einer anderen Erkrankung oder geschwächtem Immunsystem
Wie es bestätigt wird Hautgeschabsel; Milben werden oft nicht gefunden, daher Behandlungsversuch oder Antikörpertest Tiefe Hautgeschabsel oder Haarwurzelprobe (Trichogramm), die meist viele Milben zeigen
Aussichten Meist gut, wenn alle Kontakttiere richtig behandelt werden Die lokalisierte Form heilt oft von selbst; die generalisierte Form erfordert Monate der Behandlung, die Prognose ist zurückhaltender

Quellen der Tabelle: Merck Veterinary Manual, Fachversion (Dryden, Überarbeitung März 2023, aktualisiert Mai 2025) und Besitzerversion (aktualisiert April 2026), CAPC, ESCCAP Deutschland und das Zoonosen-Merkblatt der FECAVA (Oktober 2022).

Wodurch entsteht die Räude beim Hund?

Räude wird von Milben verursacht, nie allein durch mangelnde Sauberkeit. Wie sich ein Hund ansteckt, hängt von der Form ab.

Sarcoptes-Räude: Kontakt mit einem befallenen Tier

Sarcoptes-Milben werden vor allem durch engen Körperkontakt zwischen Hunden übertragen. Laut ESCCAP Deutschland ist auch eine indirekte Übertragung über milbenkontaminierte Umgebung möglich, und weil Sarcoptes-Milben in Fuchspopulationen weit verbreitet sind, können sich Hunde nach Fuchskontakt oder dem Eindringen in Fuchsbauten leicht anstecken. Das Merck Veterinary Manual nennt zusätzlich Kämme, Bürsten, Handtücher und Decken als mögliche indirekte Übertragungswege. Der gesamte Lebenszyklus dauert auf dem Hund etwa 17 bis 21 Tage.

Erste Anzeichen zeigen sich laut Merck 10 Tage bis 8 Wochen nach dem Kontakt. Der CAPC ergänzt, dass der Hund 3 bis 6 Wochen nach dem Befall gegen die Milben sensibilisiert wird und sie in dieser stillen Phase bereits weitergeben kann. Ein unauffällig wirkender Hund kann also schon eine Ansteckungsquelle sein.

Demodikose: Vermehrung von Milben, die schon da waren

Demodex-Milben gehören zur normalen Hautfauna des Hundes. Die Krankheit entsteht, wenn ihre Zahl stark zunimmt. Nach dem Merck Veterinary Manual ist der Mechanismus nicht vollständig verstanden, die Belege für eine erbliche Veranlagung zur generalisierten Form sind aber stark, und eine Immunschwäche (natürlich oder durch Medikamente) kann bei manchen Hunden die Erkrankung auslösen. Bei erwachsenen Hunden suchen Tierärzte nach einer Grunderkrankung wie Hyperadrenokortizismus (Cushing-Syndrom), Schilddrüsenunterfunktion, Diabetes oder Krebs, auch wenn in vielen Fällen keine gefunden wird.

Die Rasse spielt eine Rolle. In der VetCompass-Studie des Royal Veterinary College mit Hunden aus britischen Tierarztpraxen (O'Neill et al., Journal of Small Animal Practice 2020, PMID 31584708, DOI 10.1111/jsap.13067) lag die Jahresprävalenz der Demodikose bei 0,48 % bei Hunden unter 2 Jahren und bei 0,05 % bei Hunden über 4 Jahren; die juvenile Form war also etwa zehnmal häufiger. Im Vergleich zu Mischlingen hatten Englische Bulldogge, Staffordshire Bullterrier, Shar-Pei, Dogue de Bordeaux, Mops, Französische Bulldogge und Boxer ein höheres Risiko für die juvenile Form. Das sind Zusammenhänge aus britischen Patientenakten von 2013, kein Beweis für eine Ursache, und sie müssen nicht der Lage in Deutschland entsprechen.

Weitere Milben, die als »Räude« bezeichnet werden

Tierärzte verwenden das Wort auch für Ohrmilben (Otodectes), die »Laufende Schuppen« (Cheyletiella) und die Trombikulose (Herbstgrasmilben-Larven). Notoedres cati, der Erreger der Notoedres-Räude, ist vor allem eine Katzenmilbe; das Fachkapitel des Merck Veterinary Manual führt sie bei den Katzenkrankheiten, und auch die Sarcoptes-Räude ist bei Katzen selten. Für den Hund sind Sarcoptes-Räude und Demodikose die beiden wichtigen Formen.

Räude-Symptome beim Hund

Anzeichen, die Sie mit Ihrer Tierarztpraxis besprechen sollten, nach Merck, CAPC und ESCCAP:

  • Starker Juckreiz, Kratzen oder Knabbern, oft plötzlich beginnend (Sarcoptes-Räude)
  • Haarausfall, Rötung, kleine Knötchen und dicke gelbe Krusten, zuerst an Ohrrändern, Ellbogen, Sprunggelenken, Brust oder Bauch (Sarcoptes-Räude)
  • Rote, schuppende, kahle Stellen, anfangs manchmal mit wenig oder ohne Juckreiz (lokalisierte Demodikose)
  • Großflächige Rötung, Krusten, dunkel verfärbte Haut, geschwollene Lymphknoten, Mattigkeit oder Fieber, wenn sich eine Hautinfektion entwickelt (generalisierte Demodikose)
  • Fettige Schuppen, Hautverdickung, Gewichtsverlust und Schwäche bei lange unbehandelter Sarcoptes-Räude

Das Merck Veterinary Manual warnt vor der »Scabies incognito«: Regelmäßig gebadete und gepflegte Hunde jucken sich zwar, aber die Krusten und Schuppen, die beim Auffinden der Milben helfen, sind weggewaschen. ESCCAP Deutschland nennt einen einfachen klinischen Hinweis: Reibt der Untersucher den Ohrrand, zeigen Hunde mit Sarcoptes-Räude in der Regel einen Kratzreflex.

Räude, Allergie, Flöhe oder Hautpilz? Orientierungshilfe

Juckende, kahle Haut hat viele Ursachen, und mehrere sehen ähnlich aus. Die Tabelle fasst die Lokalisationen zusammen, die das Merck Veterinary Manual beschreibt. Sie kann Ihren Hund nicht diagnostizieren: Überschneidungen sind häufig, und ein Hund kann mehrere Probleme gleichzeitig haben.

Anhaltspunkte, die Tierärzten helfen, Räude, Flöhe, atopische Dermatitis und Hautpilz zu unterscheiden. Nur Untersuchung und Tests klären, was vorliegt.
Erkrankung Wo sie meist auftritt Hinweise aus den Quellen Was die Tierarztpraxis tun kann
Sarcoptes-Räude Ohrränder, Ellbogen, Sprunggelenke, Brust, Bauch Plötzlicher, starker Juckreiz; Kontakt mit anderen Hunden oder Füchsen; andere Tiere oder Menschen im Haushalt jucken sich Mehrere Hautgeschabsel; Antikörpertest; Behandlungsversuch
Demodikose Kleine kahle Stellen oder bei generalisierten Formen der ganze Körper Junger Hund oder älterer Hund mit einer anderen Erkrankung; Juckreiz gering oder fehlend bei der lokalisierten Form Tiefe Hautgeschabsel oder Trichogramm; Suche nach Grunderkrankungen
Flohallergie (Flohspeichel-Allergie) Unterer Rücken, Schwanzansatz, Rück- und Innenseite der Oberschenkel Flöhe oder Flohkot, oder fehlender Flohschutz Untersuchung mit dem Flohkamm; Flohbekämpfung bei allen Tieren und in der Umgebung
Atopische Dermatitis (Umwelt- oder Futtermittelallergie) Pfoten, Gesicht, Ohren, Beugeseiten der Vorderbeine, Achseln, Bauch Chronischer oder wiederkehrender Juckreiz; in den vom Merck zitierten Diagnosekriterien sind Ohrmuschel (aber nicht deren Rand) und Vorderpfoten betroffen, der untere Rücken ist meist ausgespart Diagnose durch Ausschluss anderer Juckreizursachen, Parasiten eingeschlossen
Hautpilz (Dermatophytose) Gesicht, Ohrspitzen, Schwanz, Pfoten Kahle, schuppende Stellen mit abgebrochenen Haaren; Menschen im Haushalt stecken sich leicht an Pilzkultur, UV-Lampe, Mikroskopie

Quellen: Seiten des Merck Veterinary Manual zur Flohallergie, zur atopischen Dermatitis und zum Hautpilz (alle englisch) sowie das oben genannte Räude-Kapitel.

Notieren Sie vor dem Termin diese fünf Punkte

  1. Wann der Juckreiz begann und ob er plötzlich kam oder sich über Monate steigerte.
  2. Wo genau Haarausfall, Krusten oder Rötungen sitzen (ein Handyfoto hilft Ihrer Tierarztpraxis, ersetzt aber keine Untersuchung).
  3. Ob sich andere Tiere oder Menschen im Haushalt kratzen oder einen neuen Ausschlag haben.
  4. Aktuelle Kontakte: andere Hunde, Hundepension, Hundesalon, Tierschutzhunde, Füchse.
  5. Verwendete Parasitenmittel und alle Medikamente, vor allem Kortison.

Warum die Diagnose vor der Juckreizbehandlung stehen sollte

Das Merck Veterinary Manual hält lokale und systemische Kortikosteroide bei Hunden mit Demodikose für kontraindiziert und schreibt, dass Fälle von Sarcoptes-Räude häufig »wochen- oder monatelang« fälschlich als Allergie behandelt werden, bevor sie an eine Dermatologin oder einen Dermatologen überwiesen werden. Juckreiz, der auf Kortison anspricht, gehört zu den üblichen Kriterien der atopischen Dermatitis; nach unserer Lesart schließt ein gutes Ansprechen auf ein Juckreizmittel Milben also nicht aus. ESCCAP Deutschland erwägt bei bestätigter Sarcoptes-Räude eine kurzzeitige Kortikosteroid-Gabe zur Linderung des Juckreizes; das ist eine tierärztliche Entscheidung nach gesicherter Diagnose. Geben Sie einem juckenden Hund keine übrig gebliebenen Kortisonpräparate oder Humanmedikamente ohne tierärztliche Anweisung.

Wie Tierärzte Räude diagnostizieren

Die Standarduntersuchung ist das Hautgeschabsel, das unter dem Mikroskop untersucht wird. Bei Sarcoptes-Räude werden laut ESCCAP Deutschland mehrere großflächige Geschabsel entnommen, und die Empfindlichkeit soll deutlich steigen, wenn vorher Öl auf die Hautstelle aufgetragen wird. Der CAPC beschreibt, dass das Geschabsel tief genug sein muss, um die gesamte Dicke der Epidermis zu erfassen, und die Haut röten, aber nicht stark bluten soll.

Ein negatives Ergebnis beendet die Suche nicht. Der CAPC hält fest, dass schwere Hautveränderungen vorliegen können, obwohl wiederholte Geschabsel keine Milben finden. ESCCAP Deutschland nennt für diesen Fall einen serologischen Test auf Sarcoptes-Antikörper (ELISA), weist aber darauf hin, dass Kreuzreaktionen mit Hausstaubmilben auftreten können, Antikörper frühestens fünf Wochen nach der Infektion nachweisbar sind und noch mehrere Monate nach erfolgreicher Therapie bestehen. Wenn die Anzeichen passen, aber keine Milben gefunden werden, akzeptieren Merck und CAPC eine klinische Diagnose anhand des Ansprechens auf die Behandlung. Für die Demodikose bezeichnen die Konsensus-Leitlinien der World Association for Veterinary Dermatology von 2020 (Mueller et al., Veterinary Dermatology 2020, PMID 31957202, DOI 10.1111/vde.12806) tiefe Hautgeschabsel als diagnostischen Goldstandard.

Behandlung der Räude beim Hund

Die Behandlung erfolgt auf tierärztliche Verordnung. Dosierungen, Zeitpläne und Produktwahl hängen von der Räudeform, dem Gewicht, der Rasse, anderen Medikamenten und dem Herzwurm-Status ab und unterscheiden sich von Land zu Land; deshalb werden hier keine Dosierungen genannt.

Sarcoptes-Räude

Merck und CAPC beschreiben mehrere Wirkstoffgruppen. Isoxazoline (Afoxolaner, Fluralaner, Sarolaner) waren in veröffentlichten Studien wirksam, etwa Fluralaner bei 29 natürlich befallenen Hunden (Taenzler et al., Parasites & Vectors 2016, PMID 27387742, DOI 10.1186/s13071-016-1670-7) und Sarolaner in einer Labor- und einer Feldstudie (Becskei et al., Veterinary Parasitology 2016, PMID 26928658, DOI 10.1016/j.vetpar.2016.02.017). Die Autoren beider Studien arbeiten für die Hersteller. ESCCAP Deutschland nennt in seiner Empfehlung von 2011 Selamectin und Moxidectin, jeweils mindestens zweimal im Abstand von vier Wochen. Der CAPC, eine US-Organisation, führt Selamectin und Imidacloprid-Moxidectin als in den USA zugelassen für die Sarcoptes-Räude auf; Zulassungen unterscheiden sich von Land zu Land und ändern sich, daher wählt Ihre Tierärztin oder Ihr Tierarzt das Präparat nach dem, was in Deutschland zugelassen ist.

Der CAPC rät von hoch dosiertem Ivermectin außerhalb der Zulassung gegen Sarcoptes-Räude ab, weil es bei Ivermectin-empfindlichen Hunden giftig sein kann und Therapieversagen beschrieben wurde. Die US-Behörde FDA hat außerdem Tierhalter und Tierärzte gewarnt, dass bei manchen mit Isoxazolinen behandelten Tieren Muskelzittern, Koordinationsstörungen und Krampfanfälle auftraten (Mitteilung vom 20. September 2018, 2019 aktualisiert): ein weiterer Grund, die Produktwahl der Tierarztpraxis zu überlassen, besonders bei Hunden mit Krampfanfällen in der Vorgeschichte.

Laut Merck, CAPC und ESCCAP Deutschland werden in der Regel alle Kontakttiere gleichzeitig behandelt, weil Symptome verzögert auftreten. ESCCAP Deutschland empfiehlt außerdem, dass die Tiere mindestens fünf Tage lang keinen Kontakt zu fremden Hunden haben, und dass frühere Kontakte über die Ansteckungsmöglichkeit informiert werden sollten. Vor und während der Behandlung sollen Waschungen die Krusten aufweichen und entfernen.

Demodikose

Nach Merck kann eine lokalisierte Demodikose in der Regel unbehandelt bleiben und heilt oft von selbst, während die generalisierte Form behandelt werden muss. Im Merck-Kapitel sind Isoxazoline inzwischen die bevorzugte Behandlung der generalisierten Form, und die Konsensus-Leitlinien von 2020 halten fest, dass Amitraz, makrozyklische Laktone und Isoxazoline alle gute Wirksamkeit gezeigt haben. Die Behandlung wird fortgesetzt, bis mindestens zwei aufeinanderfolgende Hautgeschabsel im Abstand von einem Monat negativ sind. Manche Hunde sprechen schnell an, andere brauchen mehrere Monate; Rückfälle im ersten Jahr sind nicht selten. Bakterielle Sekundärinfektionen werden parallel behandelt.

Unterstützende Pflege

Das Merck Veterinary Manual beschreibt das Scheren der Haare, antiseborrhoische Shampoos zum Entfernen der Krusten und die Behandlung begleitender bakterieller und Hefepilz-Infektionen; PetMD ergänzt, dass ein Halskragen oder ein Schutzanzug empfohlen werden kann, damit sich der Hund nicht verletzt. Diese Maßnahmen entlasten die Haut, ersetzen aber nicht die Behandlung, die die Milben abtötet.

Mythen über die Räude-Behandlung zu Hause

Verbreitete Behauptungen, was die Quellen sagen und was stattdessen zu tun ist.
Behauptung Was die Quellen sagen
»Motoröl tötet Räudemilben.« Keine der geprüften tierärztlichen Quellen empfiehlt es. Das Merck Veterinary Manual erklärt, dass Erdölprodukte früher gegen Zecken und Milben eingesetzt wurden, dass kleine Mengen auf der Haut wenig oder keinen Schaden anrichten, große Mengen und lange Einwirkung aber schwere Reaktionen auslösen können und dass Hunde beim Putzen aufnehmen, was im Fell klebt. Ältere Schmieröle können giftige Zusätze wie Blei enthalten. Aspirationspneumonie ist die schwerste Folge einer Aufnahme, und Merck rät davon ab, Erbrechen auszulösen. Ist ein Hund mit Öl bedeckt, rufen Sie eine Tierarztpraxis oder einen Tiergiftnotruf an.
»Ein Bad in Bleichmittel heilt Räude.« Pet Poison Helpline (US-Giftnotruf für Tiere) führt Bleichmittel als Haut- und Augenreizstoff auf, der Fell ausbleichen und schädigen kann, in konzentrierter Form ätzend sein kann und von Tieren beim Ablecken oft verschluckt wird. Flächen zu reinigen oder Wäsche mit Bleichmittel zu waschen ist etwas anderes; auf den Hund gehört es nie.
»Ein Naturmittel reicht.« Keine der für diesen Artikel geprüften tierärztlichen Quellen empfiehlt ein »natürliches« Mittel allein gegen Räude. Die Behandlungen mit veröffentlichter Wirksamkeit sind verordnete Antiparasitika.
»Räude haben nur schmutzige Hunde.« Das Merck Veterinary Manual beschreibt die »Scabies incognito« bei gepflegten Hunden, und VCA Animal Hospitals weist darauf hin, dass die Sarcoptes-Räude Hunde jeden Alters treffen kann. Erklärt wird die Sarcoptes-Räude durch Kontakt mit befallenen Tieren, nicht durch Sauberkeit.
»Demodikose gibt es nur bei Welpen.« Das Merck Veterinary Manual beschreibt eine generalisierte Demodikose des erwachsenen Hundes, typischerweise bei Hunden über 3 Jahren und schon ab 1,5 Jahren, oft verbunden mit einer anderen Erkrankung.

Quellen: Merck, Vergiftung durch Erdölprodukte (Besitzerversion, aktualisiert September 2024); Pet Poison Helpline, Haushaltsreiniger; VCA, Sarcoptes-Räude. Diese Quellen haben Motoröl und Bleichmittel nicht als Räude-Behandlung geprüft: Die Tabelle gibt ihre Toxizitätswarnungen und das Fehlen jeder Empfehlung wieder, keine Studienergebnisse.

Ist Räude vom Hund auf den Menschen übertragbar?

Die Quellen formulieren das unterschiedlich; hier die Zusammenfassung. Das Merck Veterinary Manual bezeichnet die Sarcoptes-Räude als Zoonose. ESCCAP Deutschland (2011) schreibt, Sarcoptes-Milben seien leicht auf den Menschen übertragbar, und klinisch erkennbare Krätze-Fälle nach Kontakt mit befallenen Tieren seien keine Seltenheit. Der CAPC dagegen beschreibt einen selbstlimitierenden Befall, der stark juckt und meist ohne spezielle Milbenbehandlung abklingt, und empfiehlt bei anhaltenden Hautveränderungen ärztlichen Rat. Das FECAVA-Merkblatt spricht von »Pseudokrätze«: ähnliche Anzeichen wie bei Krätze, aber ohne Milbengänge und nur kurzlebig. Der Schweizer ESCCAP-Leitfaden erwähnt ebenfalls eine leichte Dermatitis durch vorübergehenden Befall bei Kontaktpersonen.

Ein juckender Ausschlag bei Ihnen ist also möglich, meist vorübergehend, und sollte ärztlich angeschaut werden, wenn er anhält. Die Hundemilbe befällt den Menschen nur kurz, die menschliche Krätze wird von einer anderen Varietät verursacht. Demodex-Milben sind wirtsspezifisch und für Menschen kein Risiko (ESCCAP Deutschland). Hautpilz, der beim Hund ähnlich aussehen kann, steckt Menschen dagegen leicht an (Merck).

Aussichten und Heilung

Die Sarcoptes-Räude spricht bei richtiger Behandlung meist gut an, kann unbehandelt aber schwer werden, mit Hautverdickung, Abmagerung und selten Todesfällen (Merck). Die lokalisierte Demodikose heilt oft von selbst. Die generalisierte Demodikose hatte historisch eine zurückhaltende Prognose, und Rückfälle im ersten Jahr sind nicht selten. Antiparasitika brauchen Zeit, und Juckreiz und Haarwuchs hinken der Milbenbeseitigung hinterher: In der Fluralaner-Studie sank die Milbenzahl nach vier Wochen um 100 %, während die klinischen Zeichen unterschiedlich schnell besser wurden.

Vorbeugung und Schutz des Haushalts

  • Meiden Sie Kontakt zu Hunden oder Füchsen mit Haarausfall und Krusten, solange keine Diagnose vorliegt. Das FECAVA-Merkblatt empfiehlt, Kontakt mit infizierten Hunden zu vermeiden. Der CAPC hält es für wahrscheinlich, dass der regelmäßige Einsatz bestimmter tierärztlicher Antiparasitika einen Sarcoptes-Befall verhindert: Fragen Sie Ihre Tierarztpraxis, welches Mittel zu Ihrem Hund passt.
  • Behandeln Sie den Haushalt wie verordnet. Bei Sarcoptes-Räude werden in der Regel alle Kontakttiere einbezogen.
  • Waschen Sie Hundedecken, Halsbänder und Pflegeutensilien. Die Quellen sind uneins, wie lange Sarcoptes-Milben außerhalb des Hundes überleben: »nicht lange« laut CAPC, 2 bis 3 Tage im Schweizer ESCCAP-Leitfaden von 2021, 2 bis 3 Wochen unter kühlen, feuchten Bedingungen in der deutschen ESCCAP-Adaption von 2011. Waschen ist in jedem Fall eine risikoarme Vorsichtsmaßnahme, und das FECAVA-Merkblatt empfiehlt, Liegeplatz und Umgebung nach der Behandlung zu reinigen.
  • Züchten Sie nicht mit Hunden, die eine generalisierte juvenile Demodikose hatten (Merck; WAVD-Leitlinien), da die Genetik offenbar eine Rolle spielt.
  • Gehen Sie regelmäßig zur Kontrolle. Eine Demodikose beim erwachsenen Hund kann auf eine andere Erkrankung hinweisen, die behandelt werden muss.

Wann zur Tierärztin oder zum Tierarzt?

Vereinbaren Sie zeitnah einen Termin bei anhaltendem Juckreiz, neuem Haarausfall, Krusten oder Wunden. Gehen Sie am selben Tag, wenn Ihr Hund apathisch ist, Fieber hat, abnimmt, nicht frisst, viele offene Wunden hat oder stark nach Infektion riecht, oder wenn ein Welpe betroffen ist. Suchen Sie auch ärztlichen Rat, wenn bei Ihnen oder einem Familienmitglied ein juckender Ausschlag auftritt.

Was noch unklar ist

  • Warum manche Hunde eine generalisierte Demodikose entwickeln, ist nicht vollständig verstanden (Merck).
  • Wie lange Sarcoptes-Milben außerhalb des Hundes überleben, beschreiben CAPC, Merck und zwei ESCCAP-Leitfäden unterschiedlich (2 bis 3 Tage gegenüber 2 bis 3 Wochen).
  • Hautgeschabsel können Sarcoptes-Milben übersehen (Empfindlichkeit nach dem Schweizer ESCCAP-Leitfaden möglicherweise nicht über 20 %), ein negatives Ergebnis ist also kein Beweis.
  • Auch die Aussagen zur Übertragung auf den Menschen unterscheiden sich: von »leicht übertragbar« (ESCCAP Deutschland 2011) bis »kurzlebige Pseudokrätze« (FECAVA, CAPC).
  • Die Wirksamkeitsdaten der Isoxazoline bei Sarcoptes-Räude stammen überwiegend aus herstellerfinanzierten Studien, und die Zulassungen unterscheiden sich je nach Land.
  • Keine geprüfte Quelle stützt eine Räude-Diagnose allein anhand von Fotos.

Häufige Fragen

Was ist Räude beim Hund?

Räude ist eine durch Milben verursachte Hauterkrankung. Beim Hund gibt es die Sarcoptes-Räude, die ansteckend ist und stark juckt, und die Demodikose, die auf einer Vermehrung der normalerweise auf der Haut lebenden Demodex-Milben beruht. Welche Form vorliegt, kann nur eine Tierarztpraxis feststellen.

Ist Räude für andere Hunde ansteckend?

Die Sarcoptes-Räude ist zwischen Hunden hoch ansteckend, durch direkten Kontakt und mitunter über gemeinsam genutzte Decken oder Pflegeutensilien. Die Demodikose gilt nicht als ansteckend, weil die Milben bei allen Hunden schon vorhanden sind.

Kann ich mich bei meinem Hund mit Räude anstecken?

Menschen können durch Sarcoptes-Milben einen vorübergehenden, juckenden Ausschlag bekommen, der meist abklingt, wenn der Hund behandelt ist. Demodex-Milben betreffen Menschen nicht. Suchen Sie ärztlichen Rat, wenn der Ausschlag anhält.

Wie sieht Räude beim Hund aus?

Die Sarcoptes-Räude verursacht starken Juckreiz mit Rötung, Krusten und Haarausfall an Ohrrändern, Ellbogen, Sprunggelenken, Brust und Bauch. Die Demodikose beginnt oft mit kleinen roten, schuppenden, kahlen Stellen. Mehrere andere Erkrankungen sehen ähnlich aus, nur Tests der Tierarztpraxis sichern die Diagnose.

Wie wird Räude diagnostiziert?

Hautgeschabsel oder gezupfte Haare werden unter dem Mikroskop untersucht. Sarcoptes-Milben sind oft schwer zu finden, daher schließt ein negativer Test Räude nicht aus: Die Tierarztpraxis kann einen Antikörpertest oder einen Behandlungsversuch einsetzen.

Kann man Räude zu Hause behandeln?

Kein Hausmittel ist durch die geprüften tierärztlichen Quellen gestützt. Motoröl und Bleichmittel können gefährlich sein. Die Behandlung beruht auf Medikamenten, die Ihre Tierarztpraxis verordnet.

Wie lange dauert die Behandlung?

Das ist unterschiedlich. Die generalisierte Demodikose kann mehrere Monate dauern, bis zwei Hautgeschabsel im Abstand von einem Monat negativ sind. Die Sarcoptes-Räude erfordert oft wiederholte Behandlungen über mehrere Wochen; den Plan legt Ihre Tierarztpraxis fest.

Heilt Räude von selbst ab?

Eine leichte lokalisierte Demodikose beim jungen Hund heilt nach Merck oft ohne Behandlung. Die Sarcoptes-Räude heilt nicht von selbst, und die generalisierte Demodikose muss behandelt werden.

Kann die Räude des Hundes auf die Katze übergehen?

Selten. Der CAPC gibt an, dass Katzen selten vom Hunde-Sarcoptes befallen werden, und ESCCAP Deutschland, dass die Sarcoptes-Räude bei der Katze sehr selten ist. Eine Katze im Haushalt kann aber eine andere Räude haben (Notoedres, Ohrräude): Sagen Sie Ihrer Tierarztpraxis, welche Tiere zusammenleben.

Können Füchse meinen Hund mit Räude anstecken?

Ja. Füchse sind laut FECAVA ein Reservoir der Sarcoptes-Räude, und ESCCAP Deutschland nennt Fuchskontakt und Fuchsbauten als Ansteckungsrisiko. Sagen Sie Ihrer Tierarztpraxis, wenn Ihr Hund Kontakt zu einem Fuchs hatte.

In diesem Artikel verwendete Quellen

  1. ESCCAP Deutschland. Bekämpfung von parasitischen Milben bei Hunden und Katzen (deutsche Adaption der ESCCAP-Empfehlung Nr. 4, Oktober 2011). esccap.de
  2. Dryden MW. Mange in Dogs and Cats. Merck Veterinary Manual, Fachversion; vollständige Überarbeitung März 2023, zuletzt aktualisiert Mai 2025. merckvetmanual.com (englisch)
  3. Dryden MW. Mite Infestation (Mange, Acariasis, Scabies) in Dogs. Merck Veterinary Manual, Besitzerversion; zuletzt aktualisiert April 2026. merckvetmanual.com (englisch)
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  10. Becskei C, De Bock F, Illambas J, et al. Efficacy and safety of a novel oral isoxazoline, sarolaner (Simparica), for the treatment of sarcoptic mange in dogs. Vet Parasitol 2016;222:56-61. PMID 26928658, DOI 10.1016/j.vetpar.2016.02.017.
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  15. VCA Animal Hospitals. Sarcoptic Mange in Dogs. vcahospitals.com (englisch)

Tierärztlicher Hinweis: Dieser Artikel ist eine allgemeine Information, ersetzt keine tierärztliche Beratung und kann keine Erkrankung diagnostizieren oder behandeln. Hauterkrankungen beim Hund haben viele ähnlich aussehende Ursachen. Lassen Sie Ihren Hund tierärztlich untersuchen, bevor Sie eine Behandlung beginnen, und tragen Sie weder Öl noch Bleichmittel, Humanmedikamente oder Reste alter Rezepte ohne tierärztliche Anweisung auf die Haut Ihres Hundes auf. Bei einem juckenden Ausschlag bei Ihnen oder einem Familienmitglied wenden Sie sich an eine Ärztin oder einen Arzt.