Was ist eine Afterkralle?
Eine Afterkralle ist die kleinere Kralle an einer Zehe, die höher an der Innenseite der Hundepfote sitzt und meist nicht zu den Zehen gehört, die den Boden berühren. Die meisten Hunde haben Daumenkrallen an den Vorderläufen. Manche haben auch eine oder mehrere an den Hinterläufen; bei einigen Rassen sind hintere Afterkrallen besonders ausgeprägt. Lage und Befestigung können von Hund zu Hund variieren. Ein Blick auf die Pfote eines anderen Hundes zeigt daher nicht zuverlässig, was bei Ihrem Hund normal ist.
Die vordere Daumenkralle ist eine echte Zehe und nicht bloss ein loses Stück Kralle. Sie hat Gelenke und Weichteilverbindungen, darunter Sehnen. Hintere Afterkrallen sind vielfältiger: Manche sind fester mit dem Bein verbunden, andere weniger. Wenn Sie unsicher sind oder die Haut um eine Kralle gereizt aussieht, lassen Sie sie in der Tierarztpraxis ansehen.
Vordere Daumenkrallen und hintere Afterkrallen unterscheiden sich
Die vordere Daumenkralle sitzt an der Innenseite jedes Vorderlaufs etwas oberhalb der eigentlichen Pfote. Im ruhigen Stand berührt sie häufig nicht den Boden. Sie kann sich jedoch bewegen; ihre Sehnen sind mit Muskeln im unteren Teil des Beins verbunden. Anatomisch ist sie also mehr als eine Kralle, die nur an der Haut hängt.
Hintere Afterkrallen können einzeln oder doppelt auftreten und unterschiedlich befestigt sein. Viele sind weniger funktionell verbunden als die vorderen, doch „hinten“ bedeutet nicht automatisch, dass sie alle gleich oder nutzlos sind. Ziehen Sie nicht an einer Afterkralle, um ihre Befestigung zu testen. Bleibt sie hängen, verdreht sie sich oder scheint sie schmerzhaft zu sein, sollte eine Tierärztin oder ein Tierarzt sie beurteilen.
Können Afterkrallen beim Halt helfen?
Eine vordere Daumenkralle kann den Boden berühren, wenn ein Hund rennt, springt oder sich dreht, auch wenn sie im Stand meist angehoben ist. Anatomische und bewegungsbezogene Beobachtungen legen nahe, dass sie in bestimmten Situationen zum Halt oder zur Stabilität des Beins beitragen kann. Das hängt vom Hund, Untergrund und Bewegungsablauf ab. Es beweist nicht, dass jeder Hund seine Afterkrallen gleich nutzt oder dass eine sichtbare Kralle automatisch bessere Leistung bedeutet.
Betrachten Sie die Afterkralle als einen Teil der Pfote und des Beins, nicht als Werkzeug mit nur einer Funktion. Koordination entsteht durch das Zusammenspiel vieler Strukturen. Hintere Afterkrallen, besonders wenn sie locker sitzen, können eine andere Rolle haben. Daraus lässt sich nicht schliessen, dass ihre Entfernung eine bestimmte Gelenkerkrankung verursacht; ebenso wenig lässt sich versprechen, dass Behalten oder Entfernen ein Gesundheitsproblem verhindert.
Warum die Krallenkontrolle wichtig ist
Krallen an Zehen, die regelmässig den Boden berühren, nutzen sich mitunter von selbst ab, obwohl viele Hunde einen Schnitt brauchen. Afterkrallen haben meist weniger Bodenkontakt. Deshalb können sie lang bleiben, auch wenn die übrigen Krallen kurz aussehen. Sie können sich zur Haut oder zum Ballen krümmen, an Stoff oder Pflanzen hängen bleiben oder abbrechen. Eine eingewachsene Kralle ist schmerzhaft und sollte tierärztlich behandelt werden.
Im Inneren der Kralle liegt der empfindliche, durchblutete und von Nerven versorgte Bereich. Bei hellen Krallen ist seine Grenze manchmal leichter zu erkennen; bei dunklen Krallen ist sie schwer einzuschätzen. Versuchen Sie nicht, durch Schätzen eine bestimmte Länge zu erreichen. Wenn Sie die Schnittstelle nicht sicher sehen, Ihr Hund sich wehrt oder die Kralle bereits gekrümmt oder schmerzhaft ist, bitten Sie eine tiermedizinische Fachperson oder erfahrene Hundefriseurin um Hilfe.
Eine ruhige Pflegeroutine
Kontrollieren Sie regelmässig alle vier Pfoten, auch die Innenseite mit den Afterkrallen. Achten Sie auf Krallen, die sich krümmen, hängen bleiben, gespalten oder ungewöhnlich lang sind oder auf die Haut drücken. Auch Rötung, Schwellung, Ausfluss, Geruch oder Berührungsempfindlichkeit sind wichtig. Die Kontrolle darf kurz sein. Wählen Sie einen ruhigen Moment, lassen Sie Ihren Hund bequem stehen oder liegen und bringen Sie die Pfote nicht gewaltsam in eine unangenehme Position.
Wenn ein Krallenschnitt zu Hause für Ihren Hund geeignet ist, verwenden Sie eine Krallenschere für Hunde und nehmen Sie jeweils nur wenig ab. Hören Sie auf, wenn Ihr Hund plötzlich zuckt, unruhig wirkt oder Sie den empfindlichen Bereich nicht sicher einschätzen können. Bei dunklen Krallen ist besondere Vorsicht sinnvoll. Nicht alle Krallen müssen in einer Sitzung geschnitten werden; eine Tierarztpraxis oder ein Hundefriseur kann übernehmen, wenn das sicherer oder stressärmer ist.
Auch versteckte Krallen kontrollieren
Kontrollieren Sie die höher sitzenden Daumen- und möglichen Afterkrallen auch unter dichtem Fell. Beim Pflegetermin sollten diese ausdrücklich dazugehören. Eine Wanderung ersetzt diese Kontrolle nicht. Wenn eine Kralle schmerzt oder eingewachsen ist, braucht es eine tierärztliche Untersuchung statt eines gewöhnlichen Krallenschnitts.
Gewöhnen Sie Ihren Hund behutsam an die Berührung
Wenn Ihr Hund Berührungen an den Pfoten nicht mag, bauen Sie die Gewöhnung in kurzen, stressarmen Schritten auf. Berühren Sie zunächst kurz Schulter oder Bein, belohnen Sie ruhiges Verhalten und hören Sie wieder auf. In späteren Einheiten können Sie sich langsam der Pfote nähern, eine Kralle ansehen und die geschlossene Krallenschere in der Nähe zeigen. Halten Sie die Einheiten kurz und lassen Sie den Hund weggehen. Belohnungen können die Erfahrung angenehmer machen, sind aber kein Grund, einen ängstlichen Hund festzuhalten.
Knurrt Ihr Hund, schnappt er, erstarrt er oder zieht er die Pfote immer wieder zurück, unterbrechen Sie und fragen Sie Ihre Tierarztpraxis oder eine qualifizierte Hundefriseurin um Rat. Eine Fachperson kann eine passende Technik für Krallenfarbe, Temperament und Krallenform zeigen.
Bei einer eingerissenen oder plötzlich schmerzhaften Afterkralle
Eine gespaltene oder eingerissene Afterkralle kann schmerzen und bluten. Der Hund leckt möglicherweise an der Pfote, hält sie hoch, hinkt oder reagiert, wenn man sich der Stelle nähert. Ziehen Sie kein loses Stück ab und schneiden Sie eine schmerzhafte Kralle nicht selbst: Der Riss kann empfindliches Gewebe betreffen, und ein Hund mit Schmerzen kann unerwartet reagieren. Bei Blutung können Sie mit sauberer Gaze sanften, gleichmässigen Druck ausüben, während Sie tierärztlichen Rat einholen.
Kontaktieren Sie zeitnah eine Tierarztpraxis, wenn die Blutung nicht nachlässt, Ihr Hund deutliche Schmerzen hat oder hinkt, empfindliches Gewebe freiliegt, die Kralle teilweise abgerissen ist oder die Haut geschwollen oder infiziert wirkt. Starke Blutung oder erhebliche Unruhe sind ein Notfall. Legen Sie keinen Verband zu Hause an, sofern eine Fachperson Sie nicht dazu anleitet; ein falsch angelegter Verband kann zusätzliche Probleme verursachen.
Sollten Afterkrallen entfernt werden?
Die Entfernung ist eine chirurgische Entscheidung für den einzelnen Hund und keine Pflegemassnahme für zu Hause. Eine Tierärztin oder ein Tierarzt kann sie besprechen, wenn eine Kralle wiederholt verletzt wird, erkrankt ist oder ein konkretes Problem verursacht. Dabei sollten Befestigung, Alter und Gesundheit des Hundes, der Grund für den Eingriff sowie Risiken und Erholung berücksichtigt werden. Eine gesunde Afterkralle ist nicht allein deshalb problematisch, weil sie höher an der Pfote sitzt.
Fragen Sie, welcher Nutzen in Ihrem Fall erwartet wird, welche Alternativen bestehen und wie die Erholung aussieht. Gehen Sie weder davon aus, dass alle Afterkrallen entfernt werden sollten, noch dass ihr Erhalt einen bestimmten Bewegungsvorteil garantiert. Rassegewohnheiten und allgemeine Aussagen über Arthrose ersetzen keine individuelle tierärztliche Einschätzung.
Häufige Fragen
Viele Fragen drehen sich um die Lage der Afterkrallen, ihr Wachstum und den Grund für einen möglichen Eingriff.
Haben alle Hunde an allen vier Beinen Afterkrallen?
Die meisten Hunde haben vordere Daumenkrallen. Hintere fehlen bei vielen und können einzeln oder doppelt vorkommen. Manche wurden früher im Leben entfernt. Wenn Sie eine Veränderung, Schwellung oder eine neue schmerzhafte Stelle bemerken, lassen Sie sie tierärztlich untersuchen, statt sofort von einer Fehlbildung auszugehen.
Wie oft muss eine Afterkralle geschnitten werden?
Einen festen Zeitplan für alle Hunde gibt es nicht. Kontrollieren Sie die Kralle regelmässig und lassen Sie sie kürzen, wenn sie lang wird, sich krümmt oder hängen bleibt, ohne den empfindlichen Bereich zu verletzen. Bei dunklen, gekrümmten oder schmerzhaften Krallen sollte eine Fachperson schneiden, statt die Grenze zu erraten.
Kann ich eine lockere Afterkralle abziehen?
Nein. Auch eine lockere oder teilweise eingerissene Kralle kann noch an empfindlichem Gewebe hängen. Ziehen oder schneiden Sie sie nicht ab, wenn sie schmerzhaft ist. Vermeiden Sie weiteres Hängenbleiben und fragen Sie tierärztlich nach, besonders bei Blutung, Lahmheit oder freiliegendem Gewebe.
Das Wichtigste
Afterkrallen gehören zur Zehenanatomie des Hundes; vordere und hintere Krallen sind nicht alle gleich. Vordere Daumenkrallen können bei manchen Bewegungen zu Halt oder Stabilität beitragen, doch ihre Rolle variiert. Weil ihre Krallen sich oft wenig abnutzen, sollten sie bei der Pfotenkontrolle nicht fehlen. Gehen Sie ruhig mit der Berührung um, holen Sie Hilfe bei unsicherem Schneiden und lassen Sie Verletzungen oder eine mögliche Entfernung tierärztlich beurteilen.
Quellen
(Frontiers-Übersicht zu Struktur und Funktion der Afterkrallen bei Arbeitshunden) · (VCA-Anleitung zum Krallenschneiden bei Hunden) · (Royal Veterinary College VetCompass: Zusammenfassung zur Krallenpflege) · (VCA-Erste Hilfe bei eingerissenen Hundekrallen)