Warum Hunde blinzeln
Blinzeln gehört zur natürlichen Augenpflege. Wenn sich die Lider schließen und wieder öffnen, verteilen sie Tränen über die Augenoberfläche, halten sie feucht und helfen, kleine Partikel fortzuspülen. Die Lider schützen das Auge außerdem vor Berührung und Schmutz. Ein Hund blinzelt im Alltag ganz natürlich; wiederholtes oder anhaltendes Zukneifen ist jedoch etwas anderes als ein leichtes, kurzes Blinzeln. Es ist hilfreicher, das übliche Verhalten des eigenen Hundes zu kennen, als jedes Blinzeln zu zählen.
Die Augenlider arbeiten zusammen
Hunde haben ein Ober- und ein Unterlid, die sich schließen und das Auge bedecken. Ihre Ränder helfen, den Tränenfilm zu verteilen; Wimpern und Gesichtshaare können ebenfalls beeinflussen, wie gut die Oberfläche geschützt ist. Am inneren Augenwinkel liegt die Nickhaut, auch drittes Augenlid genannt. Sie kann über einen Teil des Auges gleiten und zusätzlichen Schutz bieten. Diese Anatomie ist kein Grund, die Lider selbst zu bewegen oder darunter nachzusehen. Scheint ein Lid nicht mehr zu schließen, ist geschwollen oder neu anders positioniert, sollte eine Tierarztpraxis es beurteilen.
Tränen bestehen nicht nur aus Wasser
Der Tränenfilm wird üblicherweise anhand seiner wässrigen, öligen und schleimartigen Bestandteile beschrieben. Das sind keine drei getrennten Schichten, die unabhängig voneinander arbeiten: Zusammen befeuchten und schützen sie die Augenoberfläche. Tränendrüsen liefern einen großen Teil der wässrigen Komponente, Drüsen in den Lidern tragen Öl bei und schleimproduzierende Zellen der Bindehaut liefern Muzin. Qualität und Zusammenspiel des Tränenfilms sind ebenso wichtig wie die Menge der wässrigen Tränen. Ein feucht wirkendes Auge beweist daher nicht allein durch sein Aussehen, dass der Tränenfilm normal funktioniert.
Verteilung und Abfluss
Mit jedem Blinzeln wird der Tränenfilm auf der sichtbaren Augenoberfläche erneuert. Überschüssige Tränen laufen normalerweise durch kleine Öffnungen nahe dem inneren Lidwinkel ab und gelangen über die Tränenwege in Richtung Nase. Deshalb können Augen feucht aussehen, ohne dass Tränen über das Gesicht laufen. Anhaltendes Überlaufen kann mit Reizung, Tränenqualität, Lidschluss oder Abfluss zusammenhängen; allein vom Aussehen lässt sich das nicht unterscheiden.
Blinzeln ist nicht dasselbe wie Zukneifen
Ein entspanntes Blinzeln ist meist kurz und fließend; der Hund öffnet das Auge gleich wieder. Beim Zukneifen bleiben die Lider teilweise oder ganz geschlossen, oft wiederholt oder stärker auf einer Seite. Das kann auf Beschwerden am Auge hindeuten, auch wenn der Hund sonst frisst, spielt und sich normal verhält. Rötung, häufiges Reiben, Pföteln am Gesicht, ungewöhnlicher Tränenfluss oder eine angehobene Nickhaut erhöhen die Sorge. Warten Sie nicht, bis mehrere Anzeichen gleichzeitig auftreten, bevor Sie tierärztlich nachfragen.
Nach der Gassi-Runde beobachten
Wenn unterwegs Staub oder Wind eine Rolle gespielt hat, beobachten Sie Ihren Hund danach bei normalem Raumlicht. Ein neu zugekniffenes Auge ist kein Anlass für eine längere Reinigung zu Hause. Rufen Sie bei solchen Beschwerden die Tierarztpraxis an.
Es gibt keine allgemeingültige Blinzelzahl
Wie oft ein Hund blinzelt, hängt von Aktivität, Aufmerksamkeit, Licht, Ruhe und dem einzelnen Tier ab. Eine einfache Tageszahl trennt keine gesunden von kranken Augen, und ein einzelner Moment sagt nichts Verlässliches über Stimmung oder Gefühl aus. Beobachten Sie lieber ruhig: Öffnet der Hund beide Augen bequem, und hat sich das Muster gegenüber seinem üblichen Verhalten verändert? Wedeln Sie nicht absichtlich mit der Hand vor dem Auge und berühren Sie die Umgebung nicht, um ein Blinzeln auszulösen. Das ist kein Gesundheitstest und kann den Hund erschrecken.
Die Gesichtsform kann den Lidschluss beeinflussen
Bei manchen kurzköpfigen Hunden stehen die Augen weiter vor und die Lider schließen nicht immer vollständig. Das Blinzeln kann weniger vollständig sein; die Augenoberfläche ist dadurch möglicherweise stärker dem Austrocknen oder Verletzungen ausgesetzt. Die Ausprägung ist individuell, daher verrät die Rasse allein nicht, ob ein bestimmtes Auge gesund ist. Bei einem Hund mit kurzer, breiter Schnauze kann die Tierarztpraxis den Lidschluss und den Komfort der Augenoberfläche im Rahmen der Versorgung prüfen. Neue Rötung, Trübung oder ein veränderter Lidschluss sollten zeitnah untersucht werden.
Zu Hause sicher und ohne Zwang beobachten
Beobachten Sie Ihren Hund, wenn er entspannt ist und das Licht im Raum normal ist. Aus angenehmer Entfernung können Sie darauf achten, ob beide Augen ähnlich weit geöffnet sind, das Blinzeln leicht wirkt und ob neue Rötung, Trübung, Ausfluss oder Tränenspuren auftreten. Vergleichen Sie mit dem üblichen Aussehen Ihres Hundes, nicht mit dem eines anderen. Notieren Sie bei einer Veränderung, wann sie begonnen hat, ob ein oder beide Augen betroffen sind und ob sie besser oder schlechter wird. Ein kurzes Video ohne Festhalten kann bei einem wechselnden Anzeichen im Termin hilfreich sein.
Sanft um die Augen reinigen
Bei etwas Schmutz im Fell oder am äußeren Lidrand genügt ein weiches, sauberes, leicht angefeuchtetes Tuch. Wischen Sie vorsichtig nur außen und verwenden Sie für jedes Auge eine frische Tuchstelle. Reiben Sie nicht über den Augapfel, drücken Sie nicht auf die Lider und zwingen Sie sie nicht auf. Ein Produkt zur routinemäßigen Entfernung von Ablagerungen wie Augentropfen für Hunde gehört in ein Hygienegespräch mit Ihrer Tierarztpraxis; es ist kein Ersatz für verordneten Tränenersatz oder eine Behandlung. Prüfen Sie das aktuelle Etikett und fragen Sie, ob es für Ihren Hund passt. Verwenden Sie am oder im Auge keinen Kräutertee, kein Wasserstoffperoxid, keine ätherischen Öle, Kontaktlinsenlösung, Human-Augentropfen mit Wirkstoff oder selbst gemischte Mittel; sie können die Oberfläche reizen oder schädigen. Entfernen Sie nichts, was am Auge festzusitzen scheint, schneiden Sie keine Haare direkt am Augapfel und hebeln Sie kein Lid auf. Wehrt sich der Hund, hören Sie auf.
Was die Tierarztpraxis untersuchen kann
Bei einer Augenuntersuchung können Lider, Wimpern, die klare Augenoberfläche und das umliegende Gewebe betrachtet werden. Je nach Befund kann die Tierärztin oder der Tierarzt die wässrige Tränenproduktion mit einem Schirmer-Tränentest messen oder mit Fluoreszein nach Schäden an der Hornhautoberfläche suchen. Diese Tests beantworten unterschiedliche Fragen; ein Blick zu Hause misst die Tränenqualität nicht und schließt eine Verletzung nicht aus. Auch der Tränenabfluss kann beurteilt werden. Danach wird entschieden, ob weitere Tests oder eine Behandlung nötig sind.
Wann Sie zeitnah anrufen sollten
Kontaktieren Sie eine Tierarztpraxis zeitnah, wenn der Hund ein Auge zukneift oder halb geschlossen hält, wiederholt mit der Pfote daran geht, reibt, Rötung, Schwellung, eine neue Trübung, eine plötzliche Veränderung des Ausflusses oder eine deutlich angehobene Nickhaut zeigt. Augenschmerzen sind leicht zu übersehen, weil ein Hund trotzdem fressen und spielen kann. Warten Sie nicht 48 Stunden ab, ob Schmerzen oder eine auffällige Veränderung von selbst verschwinden. Bei Verdacht auf eine Verletzung, starken Schmerzen, plötzlich trübem Auge oder rascher Sehverschlechterung ist dringende tierärztliche Hilfe gefragt.
Häufige Fragen
FAQ: Bedeutet ein tränendes Auge, dass es gut befeuchtet ist?
Nicht unbedingt. Tränen können durch Reizung oder Abflussprobleme entstehen; ein Problem mit dem Tränenfilm kann zu wenig wässrige Tränen oder die Gesamtqualität des Tränenfilms betreffen. Nur eine Untersuchung mit passenden Tests kann die Ursache klären. Anhaltendes oder einseitiges Tränen, besonders zusammen mit Rötung, Zukneifen, Reiben oder verändertem Ausfluss, sollte tierärztlich besprochen werden.
FAQ: Soll ich das Auge berühren, um den Blinzelreflex zu testen?
Nein. Berühren Sie die Hornhaut nicht und versuchen Sie nicht, zu Hause ein Blinzeln auszulösen. Beobachten Sie den Hund im normalen Alltag; Reflex- und Oberflächentests gehören in tierärztliche Hände. Wirkt der Hund unwohl, rufen Sie in der Praxis an, statt wiederholt selbst zu prüfen.
Das Wichtigste für den Alltag
Blinzeln, Lider, Tränen und Abfluss schützen das Auge gemeinsam. Ein normal wirkendes Blinzeln ist aber keine Diagnose, und eine allgemeingültige Blinzelfrequenz gibt es nicht. Beobachten Sie ohne Manipulation, reinigen Sie höchstens das Fell am äußeren Lid und achten Sie auf Veränderungen gegenüber dem Normalzustand Ihres Hundes. Zukneifen, Rötung, Trübung, ungewöhnlicher Tränenfluss oder Reiben erfordern zeitnah tierärztlichen Rat.
Quellen
Merck Veterinary Manual: Aufbau und Funktion des Hundeauges; Cornell Riney Canine Health Center: Keratoconjunctivitis sicca beim Hund; American College of Veterinary Ophthalmologists: Anzeichen für Augenbeschwerden; Royal Veterinary College: Trockene Augen; American College of Veterinary Ophthalmologists: Brachyzephales Augensyndrom; American Kennel Club: Hundeaugen reinigen.